„Cloudburst“ – Wolkenbruch oder das Lachen im Halse

„All tragedies are finished by a death, All comedies are ended by a marriage […]“ (Lord Byron)

Hochzeit und Tod also. Zwischen formalisiertem (Ehe-) Glück und dem Exitus liegt normalerweise eine lange Zeit. Der preisgekrönte Film „Cloudburst“ des amerikanisch-kanadischen Regisseurs Thom Fitzgerald erzählt von der Liebe eines alten Paares, das seit 31 Jahren zusammenlebt. Und dessen Zusammensein gefährdet ist – durch Krankheit und durch die gesellschaftlichen Konventionen, die es durchbricht. Denn Stella und Dotty, gespielt von den beiden Oscar – Gewinnerinnen Olympia Dukakis und Brenda Fricker, sind ein lesbisches Paar, zwei Dykes auf der Flucht vor dem Altersheim, vor der drohenden Einsamkeit.

Liebesfluchten

Die gebrechliche, blinde Dotty wird nach einer Verletzung von ihrer Enkelin entmündigt und ohne ihre Einwilligung in ein Pflegeheim gesteckt. Ihre Partnerin, die Butch Stella, befreit sie in einer nächtlichen Aktion aus dem Sanatorium und flieht mit ihr nach Kanada, um sie dort zu heiraten. Ein Road-Trip durch die spektakuläre Landschaft Neuenglands beginnt, entlang der Küste Maines bis in die kanadische Provinz Nova Scotia.

cloudburst

Foto: Privat

Das Licht, die Wolken, das Meer – in den poetisch-witzigen Naturbeschreibungen Stellas spiegelt sich die raue Harmonie des Liebespaares wider. Durch sie kann Dotty trotz der Sehbehinderung ihre Umwelt sinnlich erfahren. In dem jungen Tänzer Prentice, einem Anhalter, finden sie nicht nur einen Reisegefährten, sondern auch ihren Trauzeugen. Er bewundert die unkonventionelle Direktheit des alten Paares, ihre jahrzehntelange Verbundenheit wird ihm zum Vorbild. Als romantisches Bekenntnis, vor allem aber als ein Schutz der Partnerschaft vor den Zugriffen der intoleranten Enkelin ist die Eheschließung der beiden der dramatische Höhepunkt des Films, das Ende der Reise.

Zwischen Witz und Plattitüde

Das Sprechen über weibliche Sexualität findet auch heute noch meist vor der Folie männlichen Begehrens statt. Selbst lesbische Pornografie dient zu einem hohen Anteil der maskulin-heterosexuellen Befriedigung. Mit der im Film gezeigten Offenheit, den gezielten Provokationen Stellas, legt „Cloudburst“ eine Doppelmoral bloß, die homosexueller Liebe keinen Raum bietet. Und doch gründet eine Schwäche des Films in den allzu plakativen Kontrastierungen der Beziehungsmodelle – vor allem die heterosexuellen Frauenfiguren sind Gefangene ihrer Vorurteile, ihrer Abhängigkeiten. Durch die partielle Überzeichnung dieser Rollenmuster driftet manche Szene in den Klamauk ab – zwischen scharfem Witz und Plattitüde liegt manchmal nur ein Wort.

In der Hybride „dramedy“ bzw. „dramatic comedy“ fallen das Lachen und die Trauer, das Entsetzen und der Scherz zusammen. „Cloudburst“ erzählt von den Bruchlinien der Toleranz, ohne zwanghaft belehren zu wollen. Mit Komik gesellschaftliche Spannungen aufzuzeigen, dieses Kunststück gelingt Fitzgerald grandios. Mit Stellas Worten möchte man sagen: „Open. Nothing in the way.“

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